Ein Haus im Wandel der Zeit

Von der Taferne - über das Wirtshaus - zur "Kulturwirtschaft"

Die Kulturwirtschaft Ottmaring war 500 Jahre lang Brauerei und Gasthaus des Ortes. Um das Gebäude als Dorfwirtshaus erhalten zu können, hat es der Kulturverein Ottmaring erworben und mit großem Engagement renoviert.

Kulturarbeit gemeinsam - "Do staubt's"
(Bericht aus: "Heimat bewegt", Bayerischer Landesverein für Heimatpflege e.V., München 2009)


Kulturwirtshaus Ottmaring

Taferne – braunes Preuhaus – Stadlerwirtshaus: Über 600 Jahre der Inbegriff von Heimat, Sicherheit, Geborgenheit und örtlicher Kulturgeschichte – das ist das Kulturwirtshaus Ottmaring. Die Taferne wird 1426 urkundlich erstmals genannt und wird Zeuge bäuerlichen Lebens, erlebt wechselnde Besitzer und Pächter, bis sie 1996 mit ungewisser Zukunft geschlossen wird.

Im Zuge der Dorferneuerung wurde 1998 der örtliche Kulturverein gegründet. 1999 ergab sich die Chance, das alte Stadlerwirtshaus käuflich zu erwerben. Durch seinen Standort in der Mitte des Dorfes und getragen von seinem Bekanntheitsgrad und auch seiner Akzeptanz in der Bevölkerung erfüllte dieses Haus zahlreiche Voraussetzungen für ein neues Kommunikationszentrum. So entschlossen sich die Dorfgemeinschaft und der Kulturverein mit Unterstützung durch staatliche und kirchliche Stellen zum Erwerb und zur grundlegenden Sanierung des Gebäudes. In einem beispiellosen Kraftakt wurde nun angepackt. „Do staubt’s“ hieß es, als es im Mai 2000 mit dem Abriss der Speis und der Toiletten losging. Jetzt folgte Überraschung auf Überraschung.

Morsche Balkenlager, verschimmelte Vertäfelungen, von Wespen und Hornissen zerfressene Zwischenböden, einsturzgefährdete Träger und Mauerteile – alles war nur mit viel Optimismus und langem Atem zu bewältigen. Im Flez mit dem weitgespannten eindrucksvollen Tonnengewölbe entdeckte man den alten, mit Ziegeln gemauerten Brunnen und legte ihn frei. In diesem Teil des Erdgeschosses befindet sich jetzt das Standesamt. Im westlichen Bereich liegt die Wirtsstube mit Nebenraum und Küche. Auch die etwa 80 Jahre alten Wirtshausstühle wurden wieder hergerichtet, ebenso die vorhandenen alten Möbel. Im September 2001 konnte die Einweihung stattfinden. In der gemütlichen Gaststube mit den einfachen, schönen holzvertäfelten Wänden fühlen sich Einheimische und Gäste wieder wohl. Bei Beerdigungen wird hier das Totenmahl gehalten.
Der Saal im Obergeschoss steht für Hochzeiten, Theateraufführungen und Musikveranstaltungen zur Verfügung. Das Kulturwirtshaus in Ottmaring ist regulär jeden Freitag- und Sonntagabend geöffnet. Es ist ein Treffpunkt für Jung und Alt, und man kann mit Stolz behaupten, dass sich die viele Mühe und der finanzielle Aufwand gelohnt haben. Auch hier zeigt sich die große Stärke des ländlichen Raumes: Dort, wo gemeinschaftlich gearbeitet wird, „do staubt’s“.